Von bumbaumel am 30. Okt. 2009
Beginnt und endet ökologisches Textildesign mit dem Prüfzeichen? Nein, sagen wir, das ist zu wenig. Was ist mit Material, Funktionalität und der Verpackung? Für uns ist grünes Design mehr als eine Werbestrategie. Diese Einstellung ist die Basis für unsere bumbaumel-Produkte. Vor allem drei Grundsätze gehören für uns zum Öko-Design.
Doch zunächst fange ich mit den Prüfzeichen an. Denn so lange die Endkunden die Unterschiede nicht kennen, werden wir Hersteller es schwer haben, mit unseren echten, mit Control-Union-Prüfnummer versehenen Bio-Textilien zu werben.
ECO oder EKO – alles irgendwie Öko
Ein Beispiel habe ich gestern auf der Homepage eines großen online-Babyshops gefunden. “ECO erfüllt OEKO-TEX 100“, war neben der Abbildung eines Tragetuches zu lesen. Na super! Was ist bitte schön “ECO”? Vermutlich sollen die Endverbraucher den Begriff “ECO” mit dem Control-Union-Zeichen “EKO Sustainable Textiles” verwechseln. Und OEKO-TEX? Das hat sogar Aldi – Bio light mit Discounterpreisen.
Selbst in der vermeintlichen Öko-Trageszene herrschen Ignoranz und Unkenntnis. So hatte ich eine Trageberaterin gefragt, die Tragehilfen vertreibt, ob ihre Kundinnen bereit sind, mehr zu zahlen für Waren, die aus zertifizierter Bio-Baumwolle sind. Ihre Antwort: “Ach, die Tücher sind doch alle irgendwie öko, oder?“ Am meisten aber rege ich mich darüber auf, dass die ganz großen Hersteller für Tragehilfen mit Verwirrungstaktiken ihre Waren als “bio” verkaufen. Obwohl die riesigen Gestelle bestimmt zu mehr als 50 Prozent aus Kunststoffriemen, synthetischen Füllmaterialen, Plastik-Clips, Schnallen und Schnüren an allen erdenklichen Stellen bestehen, werben sie ganz groß mit dem Begriff “Bio-Baumwolle”. Was ist denn daran “Bio-Baumwolle”? Da auch GOTS zumindest teilweise erwähnt wird, geht man schon davon aus, dass tatsächlich die Baumwolle aus kbA stammt. Aber zu welchem Prozentsatz? Und was ist mit der Verarbeitung und den Farben? Leider wissen immer noch zu wenig Leute, dass bio nur dann wirklich bio ist, wenn das fertige Produkt das GOTS-Zeichen trägt. Und das tut es nicht und soll es auch nicht tun, wenn das Produkt überladen ist mit synthetischen Komponenten aus Erdöl-Derivaten.
Also…
1. Weg mit dem Kunststoff!
Überhaupt: Warum braucht man Textil-Produkte, die überladen sind mit Plastik und Kunststoff?
Zurück zu den Babytragehilfen: Bis vor ein paar Jahren gab es nur Tragetücher. Damit lief meist ein bestimmter Mama-Typ herum: Lange Haare, weite Hose, beseelter Blick und ein süß eingepacktes Baby, eingewickelt in eine riesige Stoffbahn im Nepali-Stil. Diese Tragetücher waren wirklich öko. Und sie sahen auch so aus.
Aber seit ein paar Jahren dominieren diese modernen Teile. Sie sehen aus wie ein Rucksack, so einer, wie ihn die meisten von uns seit unserem ersten Jahr an der Uni nicht mehr getragen haben und manche nicht mal dann. Aber sie wirken bequem und auch irgendwie praktisch. Schließlich muss man nicht mit so einem riesigen Tuch umgehen. Das kann man nachvollziehen. Aber sind sie auch öko? Oder anders gefragt: Wenn es möglich ist, den gleichen Zweck ohne Kunststoff-Schnallen, synthetische Riemen, künstliche Wattierung usw. zu erfüllen, dann sollte es doch zumindest in ökologischer Hinsicht besser sein, auf all das zu verzichten?
Bei einem Wanderrucksack für die Gewichtsklasse 50 Kilogramm kann man wahrscheinlich rein technisch Schnallen und Synthetik nicht weglassen. Aber für ein Baby? Wie viel Kunststoff und Technik ist wirklich notwendig, um ein drei bis zehn Kilogramm schweres Baby zu tragen?
Die Antwort wissen wir bereits – gar keine. Also sagen wir bei bumbaumel, öko fängt mit dem Design an. Und das Design fängt mit der Funktion an. Und die Funktion besteht darin, ein Baby auf dem Körper zu tragen. Und dafür brauchen und wollen wir keine Kunststoffe verwenden. Und es ist bequem, praktisch und obwohl es öko ist, es sieht nicht danach aus.
2. Auch der Stoff muss nachhaltig sein
Nächster Punkt, der ebenfalls oft vernachlässigt wird: Auch der fertige Stoff aus Bio-Baumwolle muss einen Nachhaltigskeitsstandard erfüllen. Das heißt für uns: Der Stoff muss lange halten. Auch nach 100 Mal Waschen muss er seinen Zweck noch erfüllen. Die Klamotten, die wir heutzutage kaufen, sind in der Regel nur für eine oder zwei Saisons konzipiert. Dann verschwinden sie und wir kaufen neue. Wir haben vergessen, wie sich richtig gute, hochwertige Stoffe anfühlen. Könnt ihr euch an die Jeans eurer Kindheit erinnern? Bevor die Hersteller entdeckt haben, dass die Kunden lieber “stone-washed” kaufen? Diese Jeans konnte man jahrelang tragen. Inzwischen gibt es sie kaum noch, auch wenn viele so wirken sollen. Deswegen verwenden wir den schweren Canvas-Stoff für unsere Mei Tais. Sie sind für viele Jahre Babytragen gedacht und nicht für wenige Monate. Auch unser Jersey für die Slings ist für die Ewigkeit konzipiert. Einmal habe ich bei Plus Baby-Bodys aus Jersey gekauft. Mit EKO-Zeichen. Aber nach drei Mal Waschen hatten sie so sehr ihre Form verloren, dass sie gar nicht mehr passten. Das ist nicht öko, egal was auf dem Etikett steht.
3. Verpackung und Werbematerialien müssen ökologischen Kriterien entsprechen
Gerade in der Textilbranche sind die Verpackung und die Werbematerialen sehr wichtig. Doch wie wirkt es, wenn man ein echtes, GOTS-zertifiziertes Produkt aus Bio-Baumwolle in einer überdimensionalen Kartonage verpackt? Am besten mit Plastik-Sichtfenster? Genau das hat mir ein Handelsvertreter neulich empfohlen. Ich hatte ihm unsere Slings gezeigt, die in kompostierbare Zellstoff-Folien verpackt sind und kleine, mit Bio-Farben bedruckte Hangtags haben, auf denen gerade noch Platz ist für unser Logo und das GOTS-Zeichen. Die Hangtags sind nicht wie ein kleines Buch mit Perlen drauf geklebt oder haben sonstigen Schnickschnack. Sie sind minimal und erfüllen ihren Zweck.
“Das sieht billisch aus!”, sagte er in reinstem Mannheimischer Dialekt, während wir in seinem palastartigen “Showroom” saßen. Andere Verpackungen müssten her, das könne er so nicht verkaufen. Ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass der Zellstoff keinesfalls billig ist, dass selbst die Folie eine Zertifizierung zur Öko-Kompostierbarkeit hat. Aber er wollte nichts davon hören, und ich stellte fest, dass er sich für bumbaumel als Vertriebsmensch nicht eignete. Aber es hat mich nachdenklich gemacht.
Könnte es wirklich sein, dass wir unsere Slings für 100 Euro oder mehr verkaufen könnten, wenn wir sie in feste, schicke Kartons verpacken, innen mit feinsten Papieren einhüllen, sie mit riesigen, edlen Hangtags versehen? Das hat er jedenfalls behauptet. Und wenn ja, wo wären wir dann als “Öko”-Unternehmen? Irgendetwas in dieser Richtung habe ich ihn gefragt, und er meinte dazu, “Kartonage kommt ja auch aus Bäumen. Da ist doch öko. Was wollen Sie?”
Was wir wollen? Das jedenfalls nicht. Jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. Auch wenn wir noch so klein sind, wir haben unsere Werte, und an denen halten wir fest, wie so viele andere hier bei korrekte-klamotten.de
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