Mit Patagonia haben wir seit kurzem als erster öko-fairer Fashionstore ein Outdoorbrand im Sortiment. Damit gibt es nun bei uns Snowboard-, Fleece und Hardshell-Jacken sowie Taschen und auch einen Rucksack aus recyceltem Polyester.

Die Sachen von Patagonia sind funktional top und es gibt eine sogenannte “ironclad guarantee” (eiserne Garantie), die auch weit nach Ablauf herkömmlicher Garantiezeiten noch Reperaturen einschließt. Bei Materialfehlern und -schwächen unentgeldlich, bei echtem Verschleiß zu günstigen Kosten. Beides kommt sehr selten vor, denn Patagonia-Produkte haben wirklich Qualität.
Patagonias Unternehmensleitbild:
“Build the best product, cause no unnecessary harm, use business to inspire and implement solutions to the environmental crisis.”

Mein Weg zur intensiven Beschäftigung mit öko-fairen Klamotten führte ja über eine Master-Thesis zum Thema nachhaltige Unternehmensführung bei Outdoorbekleidungsherstellern. Warum gerade Outdoor? Weil ich dachte, dass unter den Käufer_innen von Outdoorklamotten viele naturbegeisterte und weltoffene Menschen zu finden sind, die sich sowhl für ökologische als auch für faire Produktion interessieren. Diese Annahme wurde durch meine eigene Untersuchung und auch andere Studien, die ich gefunden habe, bestätigt.
Erstaunlich schlecht sah es hingegen bei den Anbietern in Sachen nachhaltige Unternehmensführung aus. Bis auf Patagonia hatte zu diesem Zeitpunkt eigentlich kein bekannterer Anbieter irgendetwas Ernsthaftes vorzuweisen. Patagonia hingegen entpuppte sich geradezu als Blaupause für nachhaltige Unternehmensführung. Als das Unternehmen Anfang der 1990er Ökobilanzen seiner 4 meistverwendedsten Fasern erstellen ließ, stellten sie fest, was damals noch weitgehend unbekannt war: konventionelle Baumwolle ist ökologisch schädlicher als alle für Textilien verwendeten Kunstfasern.
Nach Besuchen einiger Mitarbeiter_innen auf Baumwollfeldern wurde bald darauf das gesamte Baumwoll-Sortiment auf “bio” umgestellt. Zu einem Zeitpunkt, als dies mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. Es gab nicht annähernd genug Bio-Baumwolle auf dem Markt. Also wurde ein Programm aufgelegt, mit dem Bauern bei der Umstellung geholfen wurde. Bis 1996 erfolgte der komplette Wechsel.
Danach machte Patagonia sich an die Kunstfasern. Als erstes Unternehmen entwickelte Patagonia Fleece und später auch regendichte und atmungsaktive Wetterjacken (Hardshells) aus recyceltem Polyester. Bis 2012 sollen sämtliche Kunstfaserprodukte zu 100 Prozent aus recyceltem Material produziert sein. Für alle sortenreinen Produkte (und das sind die meisten!) gibt es zudem ein Rücknahme-Recycling-System über die Händler.
Die Funktionsunterwäsche besteht so bereits heute zu Teilen aus aufgetragener Funktionswäsche früherer Kollektionen. Bislang ist der Anteil noch gering, denn die Sachen halten einfach sehr lange. So fordert Patagonia seine Kund_innen auch explizit auf, nur zu kaufen, was sie wirklich brauchen und diese Sachen dann auch wirklich aufzutragen.
Auch über eine ökologische Optimierung aller Produkte hinaus engagiert sich Patagonia stark für den Erhalt unserer Mitwelt. 10 Prozent des UGewinns oder 1 Prozent des Umsatzes (was immer höher ist) wird ein Graswurzelumweltgruppen gespendet, die von den Kund_innen vorgeschlagen werden. Alle Patagonia-Mitarbeiter_innen können zudem bei Fortzahlung ihres Lohnes für bis zu 3 Monaten bei einer Umwelt-NGO mitarbeiten. Dass auch die Patagonia-Unternehmensstandorte und -Shops komplett ökologisch durchgeplant sind, versteht sich da schon fast von selbst.
Bereits sehr früh hat sich Patagonia auch mit den sozialen Produktionsbedingungen beschäftigt. Als es noch überhaupt keine Multistakeholder-Initiativen gab, entwickelte Patagonia eigene Methoden, um die Bedingungen bei Zulieferern zu prüfen. So wurden bereits vor der Kontaktaufnahme zu möglichen neuen Fabriken Mitarbeiter “undercover” in die Fabrik geschickt.
Später war Patagonia-Gründer Yvon Chouinard einer der Gründer der Fair Labor Association (FLA), in der Patagonia seitdem Mitglied ist. Um die Lieferketten transparent zu machen, hat Patagonia die sogenannten “footprint chronicles” ins Leben gerufen. Eine Website, auf der die komplette Produktionskette einer stetig wachsenden Zahl von Patagonia virtuell zurückverfolgt werden kann und selbstkritisch in ihren Effekten bewertet wird.
Ehrlicher Weise sagt Patagonia aber auch, dass im Bereich des sozialen Supply Chain Management noch eine gutes Stück Weg vor ihnen liegt. Zwar erfüllt der Code of Conduct die ILO-Kernarbeitsnormen und seine Einhaltung wird unabhängig überprüft. Einen existenzsichernden Lohn garantiert er aber nicht, wie auch die Kampagne für saubere Kleidung in ihrer jüngsten Studie zu Outdoorunternehmen kritisiert. Ein solcher existenzsichernder Lohn wird derzeit nur von der Fair Wear Foundation in den Code of Conduct einer Multistakeholder-Initiative einbezogen, die deutlich jünger als die FLA und bislang sehr europafokussiert ist. (Brands die in Europa produzieren haben den natürlich genau wie die ILO-Normen schon qua geltendem Gesetz einzuhalten.) Patagonia wird jedoch auch von der unabhängigen ethischen Verbraucherorganisation “ethical consumer research” als der ökologische und soziale Vorreiter der Outdoorbranche angesehen.
Noch sehr viel mehr über Patagonia erfahrt ihr auf der Website und allen an Konzepten und Philosophien nachhalter Unternehmensführung Interessierten empfehle ich das Buch des Firmengründer “Let my people go surfing – the education of a reluctant businessman“. Mit unschönerem Titel gibts das auch auf deutsch…
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