Von IndiaFling am 03. Nov. 2009

Ich habe vorhin den Eintrag von batata gelesen, wo man denn in Deutschland Biobaumwolle zu Stoffen weben lassen kann… die Kommentare, die zu der Frage kamen, haben mich jetzt mal ein bisschen zum Nachdenken veranlasst und mich würde brennend Eure Meinung interessieren.
Also die Frage dreht sich im Prinzip darum, wo man denn am Besten herstellen lässt. Kauft man Baumwolle aus dem Ausland und lässt diese dann in Deutschland weiterverarbeiten oder kauft man den fertigen Stoff oder das komplett fertige Produkt im Ausland?
Nun spricht ja natürlich die Unterstützung der eigenen Wirtschaft z. B. schon mal dafür, das Ganze in Deutschland über die Bühne gehen zu lassen. Auch auf den ersten Blick wären die Sozialstandards hier vielleicht besser. Aber hier kommt mein erster zweifelnder Ansatz: Ist das wirklich der Fall? Schließlich muss das Produkt ja auch unterm Strich noch kompetitiv sein und ich bezweifele, dass man das mit vernünftigen Stundenlöhnen schafft in diesem Land. Wer kann hier Aufschluss geben über die Löhne eines Arbeiters in einer deutschen Webfabrik?
Springen wir nun nach Indien (oder woanders in Asien, da kenn ich mich allerdings nicht aus). Wenn ich dort ein Produkt herstellen lasse, das den Fairtradekriterien entspricht, dann kann ich eigentlich sicher sein, dass der Arbeiter dort von seinem Lohn auch sehr gut leben kann. Ist es denn dann eine gerechtfertigte Kritik zu sagen, dass das Produkt auf Ausbeutung beruht, nur weil es aus unserer Sicht billig ist? Der Arbeiter würde bestimmt sagen nein.
Halb Indien würde zusammenbrechen, wenn wir ihnen die Textilproduktion abnähmen mit der Begründung, wir könnten das fairer zu Hause erledigen. Schließlich hat Gandhi unter den Briten das Land schon mit der Textilproduktion zu einen gewissen Grad an Autarkie verholfen. Und wenn wir jetzt mit Ricardos komparativen Kostenvorteilen sprechen wollen, so müssten wir doch schlichtweg anerkennen, dass die Inder das mit dem Textil besser und billiger können. Nur mit dieser Arbeitsteilung funktioniert doch die Weltwirschaft.
Unterm Strich bedeutet für mich Fairtrade einfach Wandel durch Handel. Und es ist somit für mich die Möglichkeit, Entwicklungs- und Schwellenländer aus der Abhängigkeit von Entwicklungshilfe zu befreien und ihnen den gerechten Zugang zu unseren Märkten zu bieten, den sie verdient haben. Diese Tor sollten wir ihnen nicht verschließen, indem wir sagen, wir können das hier aber besser.
Soviel zu meiner Meinung. Ich bin sehr gespannt, was Ihr dazu sagt :-)
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