Der Werdegang eines 5 Euro H&M-Shirts
Von IndiaFling am 23. Dez. 2010
Die Zeit hat letzte Woche einen spannenden Artikel zum Werdegang eines H&M T-Shirts veröffentlicht. Online ist der Artikel auch zu lesen und ich stelle mir hierzu einige Fragen.

Näher in “unserer” Fabrik in Agra
Die Zeit ist ja nicht gerade unbekannt für ihre gut recherchierten Artikel. Ziemlich informativ ist der Artikel “Das Welthemd”, der letzte Woche in der Printausgabe erschienen ist (aber auch hier nachzulesen). Der Werdegang eines H&M Billigshirts wird hier sehr detailliert beschrieben und der Reporter stellt auch einige Rechnungen auf, die für uns alle recht spannend sein dürften. Also auf jeden Fall lesen!
Was mich aber nach dem Lesen dieses Artikels umtreibt, ist vor allem die Frage nach fairem Handel und Mindestlöhnen. So darf ich zwar meine Kollektion nicht nur mit dem Fair Trade-Siegel und dem GOTS-Siegel schmücken, die beide Mindestlöhne garantieren, aber das sind eben auch nur die gesetzlichen Mindestlöhne. Geht man nun mal davon aus, dass H&M diese Mindestlöhne auch wirklich einhält (was ich nicht unbedingt für gegeben halte, ich kenne Horrorgeschichten von Coca Cola in Indien zum Beispiel), dann verdienen die Arbeiter in der Konfektion bei einem H&M-Shirt tatsächlich nicht mehr, als bei einem GOTS- und Fair Trade-Shirt. (Ich weiß, es werden jetzt Kommentare folgen, die sagen: Genau deswegen stellen wir in Deutschland her. Ich gebe vorher zu bedenken, dass Deutschland keinen Mindestlohn hat und um auf einem halbwegs vernünftigen Preisniveau zu bleiben, kann ein Näher in diesem Land nicht ausreichend gut verdienen. Durch belegbare Zahlen lasse ich mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen :-))
Was natürlich im Fall der Siegel hinzukommt, sind Krankenversicherung und Altersvorsorge, bei Fair Trade höhere garantierte Preise für den Rohstoff Baumwolle und bei GOTS weniger Schädigung durch Pestizide und Chemikalien. Definitiv nicht zu vernachlässigende Punkte.
Knackpunkt bleibt in jedem Fall die Baumwolle. Laut dem Artikel kommt die billigste Baumwolle, mit der H&M arbeitet, aus den USA. Subventionen sorgen – wie auf den meisten Agrarmärkten – dafür, dass sich der Anbau lohnt. Immerhin sind die USA dadurch heute noch der drittgrößte Hersteller von Baumwolle weltweit. Die Subventionen haben dazu geführt, dass die Preise auf dem Weltmarkt bis vor nicht allzu langer Zeit unglaublich niedrig waren. Mit ihren Subventionen haben die Amerikaner also fatale Auswirkungen auf die baumwollanbauenden Schwellen- und Entwicklungsländer gehabt.
Da sich der Artikel auf das H&M-Shirt konzentriert, dessen Baumwolle eben aus den USA stammt, erfährt man leider nichts über die der Konfektion vorgelagerten Schritte der Wertschöpfungskette in den Schwellen- und Entwicklungsländern und die Löhne dort. Aber das ist aber in der fairen Wertschöpfung gerade ein springender Punkt. Mit Subventionen „versauen“ Industrienationen die Preise für Rohstoffe weltweit (also auch die Preise für den Konsum innerhalb der Schwellen- und Entwicklungsländer selbst) und die Rohstoffe, die wir konsumieren, sind dann auch noch die künstlich billigeren, die wir selbst produzieren. Hier greift dann doch der faire Handel, der dazu führt, dass wir die Baumwolle zum Beispiel aus Indien beziehen und dann auch noch unabhängig vom Weltmarktpreis. So sind wir am Ende doch die Guten.
Auch was die Klimabilanz betrifft. Unser Rohstoff kommt aus dem gleichen Land, in dem er auch verarbeitet wird. H&M verschifft die Baumwolle von den USA nach Bangladesh und dann das fertige Produkt nach Europa. Man möge die Strecken kurz mal vor seinem inneren Auge ablaufen lassen.
In diesem Sinne, frohe Weihnachten!
www.india-fling.de
Und weil man für Weihnachten ja meistens auch noch eine schöne Karte braucht, gibt es zu jeder Bestellung noch eine handgeschöpfte Wahnsinnskarte (







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