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Produzentenbesuch, Teil 1: Cia Textil Centroamericano, Costa Rica

Von zuendstoff am 08. Mär. 2010

Costa Rica ist ja in mancher Hinsicht ein eher untypisches mittelamerikanisches Land: es hat ein recht stabiles demokratisches System, seit 50 Jahren keine Armee mehr, eine breite Mittelschicht mit hohem Lebensstandard und eine sehr gute Gesundheitsversorgung. Und es setzt statt Lohndumping und Standortkonkurrenz auf eine nachhaltigere Entwicklung mit hohen Umweltstandards und will Touristen mit dem (manchmal arg überstrapazierten) Stichwort Ökotourismus ins Land ziehen. So wundert es dann auch nicht, dass Costa Rica nicht gerade ein bevorzugter Standort für die meisten Textilproduzenten ist. Die gehen lieber nach z.B. Honduras, wo sie - seit dem Miltärputsch im Juni 2009 sogar noch ungestörter - Arbeits- und Menschrechte mit Füßen treten können.

Auch Cia Textil Centroamericano, die Fabrik, in der die Stoffe für unsere T-Shirts gestrickt und gefärbt werden, hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Fabrik existiert seit 1953, und noch vor 15 Jahren waren 600 Menschen dort beschäftigt. Unter dem Druck der Billiglohnkonkurrenz anderer Länder musste sich Cia jedoch verkleinern. Einige Maschinen wurden verkauft und die Belegschaft beträgt heute nur noch 160 Angestellte. Bemerkenswert ist jedoch, dass Cia trotzdem nicht versucht, an allen Ecken und Enden zu sparen. Stattdessen setzt das Familienunternehmen auf Transparenz, Qualität und hohe Arbeits- und Umweltstandards. Zum Beispiel wurde die Fabrik letztes Jahr als Teil der Produktionskette für Maggie’s Organics aus den USA nach einem amerikanischen Standard namens Fair Labour Practices & Comunity Benefits zertifiziert, dessen Standards hier einsehbar sind.

In vielen Bereichen gehen die Standards bei Cia weit über die gestzlichen Bestimmungen hinaus. So existiert eine Krankenstation, in der vormittags eine Krankenschwester und für zwei Stunden täglich ein Arzt Sprechstunde haben. Dem Betriebsrat wird ein kleines freistehendes Häuschen inklusive Computer als Büro und Versammlungsraum zur Verfügung gestellt. Das Essen in der Kantine wird teilweise von der Firma finanziert. Und die niedrigste Lohngruppe von NäherInnen verdient bei einer regulären 48-Stunden-Woche ein Gehalt von 14% über dem gesetzlichen Mindestlohn.


Auch Sicherheit und Umweltaspekte werden groß geschrieben. Gerade beim Umgang mit Farben und Abwässern setzt der Costa Ricanische Staat hohe Standards. Die Fabrik verfügt über eine eigene Kläranlage, von der die staatliche Umweltbehörde jeden Monat Proben entnimmt, die im Labor geprüft werden. Denn nur so können die hohen Standards für die Sauberkeit des Wassers eingehalten werden. Das Resultat einer solchen Politik: in Costa Rica verfügen über 90% aller Haushalte über trinkbares Leitungswasser. Bei Cia Textil kommt außerdem niemand, der kein genaues Training erhalten hat und Schutzkleidung trägt, mit Farben überhaupt in Berührung.

Als Fazit des Besuchs bleibt: zwar ist Cia Textil nicht explizit ein “social business” oder ein genossenschaftliches/kooperatives Projekt. Aber die Fabrik ist ein “Traditionsunternehmen”, das bewusst Standards und Werte vertritt und diese auch nach außen kommuniziert. Und auch das erfordert in Zeiten von starker Billiglohnkonkurrenz Mut. Denn mit einer solchen Firmenpolitik wird in der Textilbranche leider nur eine kleine Minderheit von Kunden erreicht, die auf genau diese Werte setzen.

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Plastic Planet

Von zuendstoff am 26. Jan. 2010

Was machen wir aus Plastik, und was macht das Plastik mit unserer Welt? Wir sind Kinder des Plastikzeitalters: vom Babyschnuller bis zur Plastikdose für das Müsli, von der Quietscheente bis hin zur Trockenhaube. Plastik ist überall: In den Weltmeeren findet man inzwischen sechsmal mehr Plastik als Plankton und selbst in unserem Blut ist Plastik nachweisbar! Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken.
In PLASTIC PLANET sucht Regisseur Werner Boote, dessen eigener Großvater ein Pionier der Plastikindustrie war, weltweit nach Antworten und deckt erstaunliche Fakten und unglaubliche Zusammenhänge auf. Er stellt Fragen, die uns alle angehen: Schadet Plastik unserer Gesundheit? Wer ist verantwortlich für die Müllberge in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei? Wer verliert?
Mit PLASTIC PLANET reist man rund um den Globus und entdeckt eine Welt, die ohne Plastik nicht mehr existieren kann, die aber gleichzeitig mit den Problemen und Risiken dieser Kunststoffe zu kämpfen hat. Regisseur Werner Boote findet erstaunliche Fakten und deckt unglaubliche Zusammenhänge auf. Mit eindrucksvollen Beispielen, wissenschaftlichen Interviews und faszinierenden Begegnungen entlarvt PLASTIC PLANET die schöne neue Plastikwelt.

Und das schreibtdie Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) zum Film:
Exzellenter Dokumentarfilm, der sein Thema mit viel Witz, feiner Ironie und von leichter Hand präsentiert. Was bedeutet das „Leben im Plastik-Zeitalter“? Regisseur und Autor Werner Boote will es wissen und macht sich nach 10jähriger, intensiver Recherche auf eine Reise durch die ganze Welt - von Kalifornien, Heimat der Silikonimplantate, auf die Mülldeponien Indiens bis zu Japans verschmutzten Stränden.
Er besucht Forscher in den USA und Österreich und Angehörige an Krebs erkrankter Arbeiter aus Plastikfabriken
in Italien, und rückt so eine erhebliche, globale Problematik ins Bewußtsein.
Dabei findet er in seiner ebenso kurzweiligen wie aufrüttelnden Dokumentation einen perfekten Weg zwischen Sachlichkeit, persönlicher Motivation und lebendiger Darstellung der katastrophalen ökonomischen wie
ökologischen Kreisläufe. Plastik ist verführerisch, doch darauf sollte nach diesem Film keiner mehr hereinfallen!
Ein Film, der trotz aller Ernsthaftigkeit auch köstlich amüsiert: Humorvoll, scharfsinnig, unbestechlich.

Kinostart: am 25.2.2010,
Regie & Drehbuch: Werner Boote,
Länge: 95 Minuten

>>> zur Website und zum Trailer von Plastic Planet

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Einladung zum Klamottentausch

Von zuendstoff am 25. Jan. 2010

Wie heißt es so schön? Nach jedem Winter kommt ein Frühling. Und der Frühling naht (ganz bestimmt!) und auch der Kleiderschrank ruft nach Veränderung und Umwälzung.
Daher findet am Sonntag, den 7. Februar 2010 ab 15 Uhr der zweite Klamottentausch in der Kulturkneipe Kollage statt (Yorckstr.22, Berlin – Kreuzberg / zwischen U-Mehringdamm und S/U-Yorckstrasse)

kollage

Also, warum nicht mal schenken und tauschen statt neu kaufen? So einfach geht`s: Bringt Eure aussortierten Klamotten mit und nehmt Euch dafür andere schöne Kleidung. Die Türen sind bis in den Abend hinein geöffnet. Ihr könnt also jederzeit vorbeikommen, Euch durch die Kleiderberge wühlen, Kaffee trinken und Euch am Infotisch mit Infomaterial von der Kampagne für saubere Kleidung sowie Adressen von green fashion-Labels und -Läden, eindecken.

Fundstücke

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10 Tactics for turning information into action

Von zuendstoff am 17. Jan. 2010

Tacticaltech ist eine NGO, die Guides, Tools, Training und Beratung anbietet, damit Hilfe politische Anliegen besser und effektiver transportiert werden können.

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Für den 50-minütigen Film “10 Tactics for turning information into action” wurden zahlreiche AktivistInnen interviewt, die Techniken wie Video, soziale Netzwerke, SMS zur Mobilisierung eingesetzt haben. Dabei wird auch kritisch hinterfragt, welche Tools und Medien sich wie gut eignen, um das eigene Anliegen zu präsentieren.
In den nächsten Wochen wird jeweils ein Teil des Films auf der Website veröffentlich und eine sogenannte “Tactics Card” zum jeweiligen Thema als .pdf bereit gestellt.

Übrigens wird der Film Dienstag, den 19. Januar 2010 um 19:30 Uhr im newthinking store (Berlin) präsentiert.

Und wenn als glatt läuft auch bald in Freiburg…

Info Activism from Tactical Technology Collective on Vimeo.

(via Sebastian Backhaus - Blog)

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toodot jetzt neu im Shop | Januar-Sale

Von zuendstoff am 15. Jan. 2010

Nicht nur um die Zeit bis zum Frühling (und die neuen Frühjahrsklamotten) zu verkürzen, gibt es jetzt die neuen Sachen von toodot jetzt auch bei zündstoff. Wunderschöne Basics mit Augenmerk auf Qualität und Schnitt.
Und damit das Lager weider mehr Platz hat, haben wir einiges im Shop reduziert, vor allem Sachen von Kuyichi, Vivo Barefoot und ein, zwei Teile von Misericordia. Schaut euch doch mal um!
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Vivo Barefoot : Dundan jetzt EUR 99,- Vivo Barefoot : Hackney jetzt EUR 99,- Misericordia : Caballo jetzt EUR 89,-
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Slowmo : Frauen-Winterjacke Tapi jetzt

EUR 190,-
Kuyichi : Lisa jetzt EUR 99,- Kuyichi : Colin jetzt EUR 99,-
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Öffnungszeiten und Versand bei zündstoff

Von zuendstoff am 07. Dez. 2009

Versand
Vor Weihnachten versenden wir die letzten Pakete am 22.12. um 12h mittags.
Alle Bestellungen, die bis dahin bezahlt wurden gehen an diesem Datum an euch raus und sollten spätestens am 24.12. bei euch eintreffen.
Öffnungszeiten
Vom 24.12. bis 28.12. ist der Laden geschlossen.
Am 29.12. & 30.12. ist normal von 12.30 bis 19.30 geöffnet.
Ab dem 02.01. gelten wieder die normalen Öffnungszeiten.
Achtung: Der 06.01. ist Feiertag in BaWü und wir haben geschlossen!

Fundstücke

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Inkota-Rundbrief zum Thema “Decent Work”

Von zuendstoff am 03. Dez. 2009

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“Vor genau zehn Jahren hat der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Juan Somavia, erstmals das Konzept Decent Work in die öffentliche Diskussion gebracht. Nach zwei Jahrzehnten scheinbar unangreifbarer Dominanz hatte im Jahr 1999 der schöne Schein der neoliberalen Traumwelt zu verblassen begonnen. Die Ideologie von Freihandel, Privatisierung und Deregulierung geriet in die Krise, eine neue Bewegung entstand und feierte bei den Protesten gegen die WTO-Ministertagung in Seattle ihre ersten Erfolge. In diesen historischen Kontext ist die Entstehung des Decent-Work-Konzepts eingebettet, das als Grundrecht mit „menschenwürdige Arbeit” übersetzt wird.

Zehn Jahre Decent Work sind ein guter Anlass für eine Zwischenbilanz. Denn seit 1999 hat das Konzept eine erstaunliche Karriere erlebt. Was wurde erreicht, was kann noch erreicht werden? Wo liegen die Stärken, wo finden sich Schwächen? Hilft das Konzept, um verbindliche gesetzliche Regelungen im Bereich der sozialen Unternehmensverantwortung voranzubringen? Um diese Fragen geht es im INKOTA-Brief 150 „Gute Arbeit, schlechte Arbeit - Decent Work und der Kampf um eine würdige Beschäftigung weltweit“. Er hat 48 Seiten und kostet nur 3,50 Euro plus Versandkosten.”

Theorie

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Vom strategischen Konsum zur Weltrevolution?

Von zuendstoff am 01. Dez. 2009

All diese Fragen begleiten mich seit mehreren Jahren. Bereits am Anfang meines Studiums habe ich begonnen mich mit den Strukturen der globalen Ökonomie zu beschäftigen. Nicht zuletzt trug schon meine 2004 geschriebene Magisterarbeit den Titel “Implementierungsmöglichkeiten einer WTO-Sozialklausel am Beispiel der Bekleidungsindustrie”.

Seit vielen Jahren konsumiere ich lieber Bio-Fair statt konventionell und seit mehr als drei Jahren verdiene ich mein Geld durch den Handel mit “Ethical Fashion”.

In letzter Zeit begegnen mir immer mehr Leute, die das Spannungsverhältnis zwischen “strategischem Konsum” und “politischem Engagement” beschäftigt. Der zunehmende kommerzielle Erfolg von Bio- und Fair gehandelten Produkten so wie die Diskussion um so genannte “LOHAS” als Zielgruppe für Marketingstrategien macht eine gesellschaftliche und politische Verortung der Phänomene immer interessanter.

Aus meiner Sicht ist “strategischer Konsum” ohne “politische Forderungen” nicht wirklich denkbar. Der “strategische Konsum” kommt nicht ohne die massive Aufklärungs- und Informationsarbeit von politischen AktivistInnen aus. Gleichzeitig ist er selbst ein “Best-Practice-Beispiel”, mit dessen Hilfe politische Forderungen nach einer Verbesserung von Umwelt- und Sozialstandards als machbar erscheinen. Der Kauf und die Produktion „Ethical Fashion“ bietet eine konkrete Handlungsoption, anhand derer gezeigt werden kann, dass ethisches Handeln keineswegs unwirtschaftlich ist. Zugleich bietet sich auch politischen Leuten die Möglichkeit halbwegs anständige Klamotten kaufen.

Für mich sind beide Herangehensweisen zwei Taktiken im selben Kampf. Ich finde das durchaus vergleichbar mit dem Verhältnis von Ökostromanbietern zur Anti-Atom-Bewegung.

Ich selbst bin - glaube ich - ein ganz gutes Beispiel für diese These. In meiner Magisterarbeit hatte ich den Aspekt “fairer Handel” kaum berücksichtigt, da er eine absolute Nische darstellte, die seitdem minimal gewachsen ist. Auch politisch hatte ich mich nie explizit für den fairen Handel stark gemacht. Kurz bevor ich anfing, meine Magisterarbeit zu schreiben, ergab sich durch einen Ex-Mitbewohner die Möglichkeit an einer Wander- bzw. Schulausstellung zum Thema ausbeuterische Arbeit in der Sportswearindustrie mitzuarbeiten. Da beide Themen sehr gut zusammen passten nutzte ich die Chance, ein fast einjähriges Teilzeit-Praktikum bei einer kleinen NGO zu machen. Schließlich ist aus der Kombination von Magisterarbeit und Ausstellung das Projekt “FairWear” entstanden, welches heute “zündstoff” heißt. Dies hatte folgende Gründe:

Erstens hatte ich nach intensiver inhaltlicher Auseinandersetzung keinen Bock mehr auf “konventionelle” Klamotten. Leider fehlte mir eine Alternative, bei der ich bereit war diese anzuziehen. Schließlich bin ich ja Teil der Nike-Generation und kannte bis dato nur Hess Natur und LamuLamu. Von z.B. Kuyichi hatte ich damals noch nie etwas gehört.

Zweitens fehlten uns für die Ausstellung Positivbeispiele. Was sollten wir denn den 16-jährigen erzählen? “Nike ist blöd, aber was besseres können wir auch nicht anbieten?”

Doch auch nachdem wir mittlerweile von unserem Business leben können und die Marktnische „Ethical Fashion“ weiterhin wächst, ist das Ende der Fahnenstange keineswegs erreicht. Insgesamt hat sich an den Arbeitsbedingungen der meisten ProduzentInnen nichts verbessert. Die „Discounterisierung“ der Textilindustrie schreitet immer weiter voran. Daher finanzieren wir Bildungsveranstaltungen mit dem Budget unseres Ladens und nehmen an Podiumsdiskussionen teil. Ich selbst mache konsumkritische Stattführungen, Schulprojekttage, fahre auf Treffen der CCC, arbeite in der Zeitschriften-Redaktion der “iz3w”, und so weiter. Je mehr sich der - für’s überleben notwendige - Arbeitsaufwand einer 30-40 Stunden-Woche nähert, desto mehr engagiere ich mich auch wieder politisch. Von der Bewegung ins Business zurück in die Bewegung…

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Von der Politik zur Ökonomie…

Auch theoretisch führt die Trennung von Politik, Gesellschaft und Ökonomie für mich zu keinem befriedigenden Ergebnis. Schließlich entstehen viele Probleme, zu denen wir mit zündstoff eine Alternative anbieten wollen. Vor allem die ökonomische Globalisierung bzw. das aktuelle Freihandelsregime haben dafür gesorgt, dass Kleidung nicht mehr in Europa sondern in Schwellen- und Entwicklungsländern produziert wird. Nicht nur historische Gründe (z.B. (Post-)Kolonialismus), sondern aktuelle wirtschaftliche Regulierungen sind entscheidend dafür, dass viele KK-BloggerInnen kostengünstig in Indien produzieren lassen können. All diese Gründe sind keineswegs “natürlich gegeben” sondern in erster Linie politisch erzeugt.

Erstens sind die Transportkosten gering. Die Gründe dafür liegen meines Erachtens in der niedrigen Bezahlung der Seeleute und im immer noch zu niedrigen Preis für fossile Treibstoffe. Der Rohölpreis ist so niedrig, weil die globale Wirtschaft von Handel und Austausch geprägt ist und ein höherer Preis das Wachstum hemmt.

Zweitens hat Indien eine lange Tradition des Baumwollanbaus und der Baumwollverarbeitung. Das haben auch die englischen Kolonialherren schon früh ausgenutzt und in ihre Handelsstrukturen integriert. Bereits in der ersten Phase kapitalistischer Akkumulation wurde Indien zum Baumwollexporteur.

Drittens existiert ein kapitalistisches Freihandelsregime, dass auf dem Prinzip der “komparativen Kostenvorteile” beruht. Die Sozialstandards in Indien sind so gering, dass selbst Arbeitsbedingungen, die gerade mal die grundsätzlichen Menschenrechte gewährleisten, vergleichsweise gut erscheinen. Ähnlich sieht es bei den Umweltstandards aus. Aufgrund solcher “Kostenvorteile” hat sich die Produktion von Industriegütern vor allem in den letzten drei bis vier Jahrzehnten immer weiter aus den Industriestaaten in andere Regionen verlagert. Dabei hat es eine wechselseitige Entwicklung gegeben, die insgesamt den Kapitalinteressen dient. Minimale Löhne und Rohstoffpreise, die aus niedrigen Sozial- und Umweltstandards resultieren, führen dazu, dass selbst hochwertige Güter wie Notebooks vergleichsweise billig produziert werden können. Dies ermöglicht eine Abwärtsspirale bei den Reallöhnen, da ja nun mit weniger Geld weiterhin viel konsumiert werden kann. Gleichzeitig erzeugen die Exportindustrien Wachstum in den Ländern, die diese Konsumgüter produzieren. Die Eliten dieser Länder gewinnen an ökonomischer Macht und treiben die Öffnung der Märkte voran. Im Gegenzug werden auch die Kapital- und Dienstleistungsmärkte liberalisiert. Der komplette Mechanismus dient in erster Linie dazu “Wachstum” zu erzeugen, also die Renditeinteressen der Kapitalmärkte zu befriedigen. Natürlich mit dem Nebeneffekt, dass nicht nur wir sondern auch z.B. die IndustriearbeiterInnen in China mehr konsumieren können und das Gefühl haben, dass ihr “Wohlstand” wächst.

Genau hier knüpft “Ethical Fashion” an. Durch fairen Handel und die Verwendung von Biobaumwolle kommen Produkte auf einen Markt, der in erster Linie kapitalistischen Strukturen unterliegt. Gleichzeitig werden Projekte unterstützt, die aufgrund hoher Sozial- und Umweltstandards begrüßenswert sind. Heruntergebrochen auf eine solche Ebene ist es ziemlich egal, ob in Deutschland, Nicaragua oder Indien produziert wird. Es geht immer um eine Nische, die einen “verbesserten” Kapitalismus zum Ziel hat. Davon ausgehend, dass der Kapitalismus nicht in ein paar Jahren überwunden sein wird, ist die Verbesserung konkreter Lebensverhältnisse ein wichtiges und legitimes Engagement.

Doch selbst wenn tatsächlich 30% der KonsumentInnen in den Industriestaaten LOHAS wären und Öko-Klamotten kaufen würden, wären immer noch 70% der Kleidung aus völlig inakzeptablen Produktionsverhältnissen. Für eine grundlegende Veränderung reicht die Marktnische nicht aus.


…und zurück zur Politik

Langfristig schaffen lediglich politische Lösungen eine echte Alternative. Nur mit Hilfe einer politischen Regulierung werden wir es schaffen die Abwärtsspirale aus Armut, Ausbeutung und Umweltzerstörung aufzuhalten bzw. umzukehren.

Zum Beispiel könnte die Belohnung ethischen Wirtschaftens bzw. eine Bestrafung unethischen Wirtschaftens massive Veränderungen provozieren. Wieso werden nicht einfach die Importzölle auf Bioklamotten abgeschafft und die für konventionelle Waren erhöht? Das wären bei einem Großteil der Kleidung 14%. Wenn im Gegenzug die Zölle auf Kleidung aus konventioneller Baumwolle angehoben würde, gäb es einen massiven Kaufanreiz für Bio-Baumwolle. Im Bereich Sozialstandards passiert aber seit Jahren das Gegenteil: Die miesesten Arbeitsbedingungen finden sich in aller Regel in den “Freihandelszonen (FTZ)”. Diese genießen jedoch Zollvorteile.

Spannende Ausnahme: Die nicaraguanische ArbeiterInnen-Kooperative aus der wir T-Shirts importieren ist ebenfalls eine FTZ. Die einzige in ArbeiterInnenhand. Dadurch können wir die Shirts trotz demokratischer Selbstverwaltung und guten Sozialstandards in der Koop günstiger ein- und verkaufen.

Doch nicht nur kleine Pilotprojekte könnten politisch gefördert werden. Auch die Arbeitskämpfe von chinesischen TextilarbeiterInnen verdienen unsere Aufmerksamkeit. Gerade in China lösen massive Umwälzungen Proteste aus. Eine enge Zusammenarbeit, wie sie zum Beispiel die “Kampagne für saubere Kleidung” betreibt könnte vielen Menschen helfen ihre Interessen selbst durchzusetzen.

Auch das Konzept ökologische und soziale Kosten in die Kalkulation von Preisen einzubeziehen und nicht die Allgemeinheit für Umweltzerstörung oder ausbeuterische Arbeitsverhältnisse zahlen zu lassen ist ja nicht besonders neu.

Die politischen Lösungen sind ebenso zahlreich wie die Missstände. IWF, Weltbank, WTO, Schuldenfalle, Sweatshops - das alles existiert bereits. Das ist schlimm, und es ist wichtig auch politischen Druck aufzubauen. Funktionierende Alternativen und politische Proteste sind kein Widerspruch sondern ergänzen sich gegenseitig. Wir können das Rad nicht zurückdrehen. Aber weiter - um es in eine Richtung lenken, die wir (mit-)bestimmen. Gemeinsam politische Forderungen zu diskutieren und in die Öffentlichkeit zu tragen ist schwieriger als einfach im Internet Klamotten zu verkaufen. Aber für weitreichende Veränderungen ist es unerlässlich.


von Sascha Klemz

Termine

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Klamottentausch in Berlin

Von zuendstoff am 25. Nov. 2009

Falls ihr also noch was zum Anziehen für den Winter braucht, solltet ihr dort mal vorbeischauen. Neben eurem Hunger auf Klamotten könnt ihr dort auch noch den auf Weihnachtsgebäck und Waffeln stillen.

Deutschlandweite Klamottentausch-Termine  werden übrigens auch regelmäßig auf klamottentausch.net gepostet

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Intern

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Zwischen Macht und Ohnmacht

Von zuendstoff am 10. Nov. 2009

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Dabei ging es den beiden Aktivistinnen keineswegs nur um die Rückkehr des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya. Zwar begrüssten sie dessen Maßnahmen zur Unterstützung der ärmeren und ländlichen Schichten wie z.B die Anhebung des Mindestlohns um 60% sowie das konsequente Eintreiben der Stromkosten von großen Unternehmen in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit. Jedoch bezeichneten sie ihren Kampf als einen Kampf für ein „grundlegend anderes Honduras: für ein friedliches Honduras ohne Korruption und mit weitreichenden Investitionen in Bildung und Gesundheit“. Gemeinsame Forderung fast aller Bevölkerungsgruppen, die im zivilen Widerstand aktiv sind (z.B. Gewerkschaften, Indigenenorganisationen, LehrerInnenvereinigungen), sei die in einer neuen Verfassung festgelegte Abschaffung des Militärs. Die Polizei als Institution dürfe es nach wie vor geben. Das freiwerdende Geld aus der Unterhaltung der Armee solle jedoch ausschließlich in soziale Programme gesteckt werden.

Somit erschöpfen sich die Forderungen der Widerstandsbewegung auch nicht in der mittlerweile stattgefunden Rückkehr von Zelaya und damit dem ‘offiziellen’ Ende des Militärputsches. Ebenso seien die kommenden Wahlen Ende November für die Bewegung „schon verloren, die Kreuze auf den Wahlzetteln bereits gemacht“, so Yadira und Iris. Die Postenvergabe innerhalb der großen Parteien habe schon stattgefunden. Selbst wenn die Bewegung es geschafft hätte, rechtzeitig eineN unabhängigeN KanditatIn zu nominieren, sei ein Wahlbetrug vorprogrammiert. Vor diesem Hintergrund sprachen sich die Aktivistinnen für einen Wahlboykott aus. Vielmehr sei entscheidend, dass sich die Bewegungen auf einen längeren Prozess des Austausches und der politischen Mobilisierung im Hinblick auf die nächsten Wahlen im Jahr 2013 und ein Verfassungsreferendum vorbereiten. Schon in den letzten Wochen sind Runde Tische einberufen und Arbeitsgruppen gegründet worden. Dort werden Themen diskutiert und Forderungen erarbeitet, die zentrale Elemente einer neuen Verfassung werden sollen. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der Abschaffung der Armee, sondern auch auf der Verankerung fundamentaler Partizipationsmöglichkeiten und sozialer Rechte für die Bevölkerung.

Der Widerstand und die Mobilisierungen halten nach wie vor an und die Bewegung ist noch nicht - z.B. an einer KandidatInnenfrage - gespalten. Daher stehen die Chancen nicht schlecht, dass die zivilgesellschaftlichen Kräfte ihren Kampf fortsetzen und ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt: „Auch wenn es schlechte Präsidenten gibt, bestimmen wir die Politik und können jede Regierung abwählen. Denn wenn die PolitikerInnen unsere Forderungen nicht erfüllen, haben wir dennoch die Macht, Widerstand zu leisten“, so Iris Enríquez.

Über zuendstoff ProfilWeb

zündstoff. hießen auch mal FairWear. Seit 2006 bringen wir, also Sascha und Matthias, korrekte Klamotten unters Volk. Im Internet und neuerdings auch nicht-virtuell in unserem Freiburger Laden.