Biobaumwoll-Skandal? Welcher Skandal?

Von am 26. Jan. 2010


Wieso reden eigentlich alle über mangelnde Kontrollsysteme bei Biobaumwolle und nicht darüber, wie es zu der Verunreinigung kommen konnte?

Bei dem Skandal um Anteile von gentechnisch veränderter Baumwolle in Biobaumwolle sind mehrere Dinge auffällig. Am meisten natürlich wer diesen Skandal aufgedeckt hat: die Financial Times, sonst nicht gerade für ihr Maß an investigativem und vor allem kritischen Journalismus bekannt. Dann natürlich der Zeitpunkt, rechtzeitig zur Grünen Woche in Berlin. VerschwörungstheoretikerInnen hätten ihre helle Freude an diesen Zusammenhängen. Für Menschen mit etwas weniger Fantasie und mehr Realitätssinn ist dies zumindest ein Grund genauer nachzufragen, ob hier nicht Lobbyinteressen im Spiel sein könnten. Aber das nur am Rande.

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Zum Glück ist das Krisenmanagment in unserem Bereich recht schnell, da viele ein echtes Interesse an Aufklärung haben. Neben Kristens Broddes Artikel gibt es viele weitere Berichte – z.B. bei Greenpeace, aber auch hier (1, 2, 3)– und selbst die Kommentare in einigen Zeitungen sind alles andere als reißerisch, sondern überwiegend ausgewogen.

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Interessant ist aber doch eigentlich etwas ganz anderes: Wie konnte es zu der Verunreinigung kommen?

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Tatsächlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: die BäuerInnen haben genmanipulierte (GM) Samen angebaut (mit oder ohne ihr Wissen) oder, und das ist etwas, das bisher – verständlicherweise – in den allgemeinen Medien gar nicht und selbst in unseren nur wenig thematisiert wurde, es gab eine Kontamination durch GM-Baumwolle von Nachbarfeldern.

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Der erste Fall stellt einfach „nur“ einen weiteren, immer wieder vorkommenden, Versuch von Betrug dar. Wegen dieser recht menschlichen Eigenschaft werden ja gerade Kontrollen durchgeführt. Auch im konventionellen Anbau, wenn auch sporadischer, schließlich gibt es zumindest für den Import in die EU Schadstoffgrenzwerte.

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Möglich wäre hier eigentlich nur, dass BäuerInnen die GM-Baumwolle gepflanzt haben, die Resistenzen gegenüber einem Schädling aufweist. Der Anbau von GM-Baumwolle mit Resistenz gegen Herbizide macht beim Verbot des Einsatz von Herbiziden keinen Sinn. Das kann bewusst geschehen sein oder unbewusst, weil das Saatgut bereits beim Händler Verunreinigungen aufgewiesen hat.

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Das kann passieren und wird immer wieder passieren. Hiergegen helfen die Kontrollen.

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Wogegen allerdings keine Kontrollen helfen ist die Auskreuzung von GM-Baumwolle. Im Gegensatz zu der Meinung des deutschen Bauernverbandes und fortschrittsgläubiger PolitikerInnen halten sich Pollen und bestäubende Insekten nunmal nicht an Ackergrenzen. Es wurde bereits mehrfach nachgewiesen, dass es zu Auskreuzungen durch Pollenflug und Insekten auch über weite Entfernung kommen kann. Dadurch können entsprechend auch GM-Pollen übertragen werden. Es ist kein Studium der Genetik notwendig, um zu wissen, dass bei der Bestäubung von Biobaumwolle mit GM-Baumwolle die Chance sehr groß ist, dass auch GM-Erbgut weiter gegeben wird und somit die Tochtergeneration „plötzlich“ GM-Erbgut aufweist. Nach dem „mendelschen Gesetz“ eine Chance von 50%. Das heißt im Klartext, die Baumwolle vom Biofeld ist bei der Ernte GM-verseucht.

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Laut dem genethischen Netzwerk liegt der Anteil der GM-Baumwolle in Indien bei über 60%. Abstandsregelungen, die einen geringen Schutz gegen Kontamination versprechen sollen, existieren nicht. Möglicherweise hat diese Aufdeckung also noch viel größere Konsequenzen. Möglicherweise ist es in manchen Gegenden Indiens bald nicht mehr wahrscheinlich selbst auf Biobaumwollfeldern gentechnikfreie Baumwolle zu ernten.

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DAS ist der Skandal.

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Dass ist aber für die Herren des deutschen Bauernverbandes und ihre politischen FreundInnen aber auch ein Problem. Sollte wiedereinmal festgestellt werden, dass GM-Pflanzen in ihrer Ausbreitung einfach nicht kontrollierbar sind, müsste das zumindest in der BRD und möglicherweise in der EU das AUS bedeuten. Angesichts der Gewinne, die sich BAYER-Cropscience, Monsanto und wie sie alle heißen versprechen, ist dies natürlich ein Problem und nicht gerade wahrscheinlich.

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Daher sollten wir diese Chance nutzen und die Zusammenhänge von Verunreinigung durch GM-Pollenflug nicht nur bei der Baumwolle thematisieren. Vielleicht mit dem griffigen Motto: „Gendreck weg!“

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