Von IndiaFling am 29. Mrz. 2011
Am Wochenede verschlug es mich wie einen guten Tourist zum Taj Mahal.
Habt ihr schon mal Mangos gegessen? Ich meine echte Mangos. Die schmecken ganz anders, als ich immer dachte. Ich glaube, dass ganz Deutschland einen völlig falschen Eindruck von Mangos hat.
Mangos stehen ab heute ganz oben auf meiner indischen Speisekarte!!
Neben Mangos habe ich in diesen Tagen den Taj Mahal erkundet. Das wollte ich mir auf meiner Reise durch Indien natürlich nicht entgehen lassen. Zum Glück, denn es ist wirklich umwerfend und unglaublich schön. Man kann sagen, es ist perfekt bis ins kleinste Detail.
Für gerade mal Rs. 100 (weniger als 2 Euro) bekam ich dann wohl den bestimmtesten und schnellsten Touristenführer, der – das muss man ihm lassen – mir die Geschichte des Taj Mahal in sehr gut verständlichem Englisch erzählte. In rasender Geschwindigkeit drängelte er uns vorbei an allen Warteschlangen (er kannte jeden Securitymenschen!), wir sind durch Ausgänge rein und durch Eingänge rausgegangen und zwischendurch machte er ungefähr 20 Fotos von mir, für die er mich sehr bestimmt und ungeduldig in Position stellte. Ich bin gar kein Fotomensch, aber dieser Touristenführer duldete keine Widerworte. Jetzt fragt ihr euch bestimmt warum ich das mitgemacht habe? Naja, die Fotos sind total super geworden!!!

Foto: Auszug meines Taj Mahal-Fotoshoots
Am Tag darauf wollte ich dann kaum aus meinem Bett aufstehen. Mir graute es, einen ganzen Tag in der sengenden Hitze Agras zu verbringen. Ich musste nämlich um 12 mein Zimmer räumen, um dann erst am Abend mit dem Nachtexpress nach Varanasi zu fahren.
Mir graute es nicht nur vor der Hitze, sondern Indien fing an, mich zu nerven. Dieses ewige „Madam“ hier und „Madam“ dort und das unaufhörliche Hupen. Warum hupen die Inder eigentlich immer? Ich mein, was soll das denn bringen? Kein Stau der Welt löst sich auf, nur weil alle immer hupen. Und das System, zu hupen, wenn ich geradeaus fahren will, finde ich auch bescheiden. Da ist mir doch das europäische, geräuschlose Blinken, wenn ich abbiegen will, tausend mal lieber.
Aber kaum war ich so richtig genervt, fand ich meine persönliche Chill-out-Area: Agra Fort.
Abgelegen und lärmgeschützt hinter mächtigen roten Sandsteinmauern lag mein Paradies. Zwar wollten manche ein Foto mit der komischen, einsamen Blondine machen, aber ansonsten konnte ich den Sonntag ruhig im Gras liegen und Eichhörnchen beim Mitchillen beobachten! Und diesmal habe ich mir ganz bestimmt keinen Touristenführer angelacht.

Foto: Eichhörnchen beim Mitchillen.
Gestern bin ich dann in Varanasi angekommen und wurde ganz herzlich von Ravi empfangen. Ravi ist unser Zulieferer für den handgewebten Brokat, den wir für unsere Applikationen verwenden und für die wunderschönen IndiaFling-Schals.
Dieses Mal informiert er mich über die Druckmöglichkeiten in Varanasi. So habe ich heute Nachmittag einen Schnellkurs in Screenprinting und Dischargeprinting bekommen. Außerdem habe ich mich durch sämtliche Designbücher gewühlt, um den schönsten Paisley zu finden. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass ich nicht den schönsten Paisley in meinen Augen suche, sondern den schönsten Paisley in Stefanies Augen und da sind wir uns manchmal noch nicht ganz einig.
Was sind eigentlich „Screenprinting“ und „discharge printing“?
Der Ausdruck Screenprinting beschreibt einen Druckprozess, für welchen das Muster zunächst per Hand gezeichnet wird und dann auf einen Polyesterfilm geprägt wird, welcher in einen Rahmen gespannt wird. Dieser Polyesterfilm ist an den Stellen porös, an welchen die Farbe den Film durchdringen soll. Das bedeutet, dass ich für jede separate Farbe von einem Muster einen separaten Filmrahmen brauche.
Das Muster wird dann Farbschicht für Farbschicht auf die textile Fläche aufgebracht.
„Discharge printing“ ist eine Unterart des Screenprintings. Es wird angewendet für textile Flächen deren Grundton dunkler ist, als das Muster welches später aufgebraucht werden soll. Hierfür muss die vorhandene Farbe erst entfärbt werden, an genau den Stellen, an welchen später das Muster entstehen soll.
Was bedeutet das alles für IndiaFling? Zunächst einmal hat mich die Druckerei hier in Varanasi sehr positiv überrascht, da sie über eine Abwasserreinigungsanlage verfügt, was alles andere als selbstverständlich ist. In dieser Abwasserreinigungsanlage wird zunächst der Chemikaliengehalt reduziert. Darauf folgt eine Filtration durch Aktivkohle. Diesen Prozess detaillierter zu erklären, würde hier ein bisschen weit gehen. Jedoch kann ich euch versichern, dass dies hier genauso geschieht, wie ich es in der Uni gelernt habe.
Das ist natürlich ein riesiger Pluspunkt für diese Druckerei, da sauberes Grundwasser für alle für die Basis jeder Fairness ist. Die zehn Arbeiter verdienen hier übrigens 10.000 Rupien im Monat, was weit über dem Mindestlohn von ca. 6.000 Rupien in diesem Bereich in Uttar Pradesh liegt, und arbeiten sieben bis acht Stunden am Tag.
www.india-fling.de
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