IndiaFling Produzentenreise

Von am 24. Feb. 2010


Die Wuerfel sind gefallen. And the winner is…

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Selbstironie?

 

Hersteller C!

 

Lange hin- und hergewälzt kam die Entscheidung dann doch quasi im Schlaf. Wirklich begründen kann ich sie noch nicht mal. War eher intuitiv. Und das Schicksal hat mich dann dankbarerweise auch bestätigt, nachdem Hersteller B mir die Preise – obwohl angekündigt, dass sie wichtig seien für meine anstehende Entscheidung – eine Woche zu spät schickte. Der Chef hatte mir noch versprochen, sie würden sinken. Taten sie aber nicht, stattdessen stiegen sie um ein Drittel.

 

Ich flog also von Kerala zurück nach Delhi um in Agra Hersteller C zu treffen. Wenn ich sage fliegen, dann denkt man nun, das sei eine schnelle Angelegenheit. Allerdings brach ich Freitag um neun Uhr morgens auf, um vor meiner Abreise einen Arzt aufzusuchen, weil sich ziemlich schmerzhafte rote Flecken mit Pusteln auf meinem Hals verteilten. Wider erwarten war ich dort so schnell mit Antibiotika ausgestattet (infizierter Insektenbiss), dass ich 1,5 Stunden zu früh am Zug war. Der fuhr dann vier Stunden, weiter im Taxi eine halbe Stunde, vier Stunden warten am Flughafen, 4,5 Stunden Flug und dann von Mitternacht bis zwei Uhr morgens im Taxi durch Delhi, weil der Fahrer keine Ahnung hatte, wohin. Nachdem wir eine Stunde im Kreis gefahren waren, ich alle zwei Minuten im Hotel telefonisch nach dem Weg gefragt hatte, kamen wir genau an dem Punkt an, wo wir angefangen hatten und waren da. Herzlichen Glückwunsch. Das Hotel war dann kein Hotel, sondern irgendwas, was ich bis jetzt nicht benennen kann, in dem ich dann mit ohne Laken und mit ohne Decke ausgestattet um halb drei Uhr morgens im Schlafsack lag. Um sieben wieder raus und in den Zug nach Agra.

 

Samstag dann den ganzen Tag beim Hersteller C in Agra. Zu sagen, dass jetzt alle Probleme gelöst wären, wäre eine Lüge. Da haben sie mal wieder alte Maßtabellen genommen, um neue Samples herzustellen bei dem einen oder anderen Teil. Aber dazu säufst man kurz und ignoriert es. So mache ich das zumindest. In Agra steht also alles soweit. Im Moment stellen sie noch die Samples in allen Größen her, damit dann danach den deutschen Damen alles gut passt. Die werde ich dann nächsten Mittwoch abholen und beten, dass keine großen Katastrophen mehr auftauchen, weil Donnerstag in der Früh geht es zurück nach München. Zeit für Fehler ist also keine mehr eingeplant.

 

Von Agra aus nahm ich dann des nächtens den Zug nach Varanasi und kam Sonntag früh hier an, sogar ohne komplett fertig zu sein. In Varanasi sitzen die Webereien für den IndiaFling Brokat. Ein Geschäft mit jahrhundertelanger Tradition. Wunderschöne Stoffe werden hier von der muslimischen Gemeinschaft auf elektrischen Webstühlen und auf Handwebstühlen gewebt. Mehrere Webereien habe ich besucht und die Stoffe, die sie einem vorlegen sind teilweise einfach nur atemberaubend schön. Ich habe mich der Qual der Wahl stellen müssen und habe vier Muster und Farben für die nächste Kollektion ausgewählt. Zwanzig Mal habe ich meine Meinung geändert bis alle endgültig völlig verwirrt und genervt waren.

 

Ravi, der Mittler zwischen Käufer und Weber, hat mich wieder schön stilgerecht auf dem Motorrad ohne Helm durch Varanasi gekurvt. Business Indian style, so wie ich es am Liebsten mag J.

 

Auch die Hersteller des IndiaFling Schmucks habe ich besucht und einiges bestellt. Die Perlen werden hier alle per Hand in winzigen Workshops gefertigt und gehen dann an Anjali, die daraus Ketten, Armbänder und Ohrringe macht. Anjali ist Mutter von mittlerweile fünf Kindern (und von zwei, die schon so alt sind, dass ich sie noch nie gesehen habe) und verkauft hier Schmuck an Touristen. Anjali hat einen Mann, der zwei Frauen hat und sie und die Kinder quasi nicht unterstützt. Sie hat das Geld also dringend nötig. Jetzt erst recht, weil sie vor fünf Monaten ein kleines Mädchen am Ufer des Ganges aufgelesen hat, das dort mutterseelenallein saß und weinte. Ihre Mutter ist seitdem nicht mehr aufgetaucht und kein Mensch weiß, was passiert ist. Die kleine Durga wohnt jetzt also bei der Familie.

 

Auf dem Programm hier stand auch das Saraswati Education Centre, das IndiaFling unterstützt. 45 Kinder aus den ärmsten Familien gehen hier zur Schule. Seit ich das erste Mal hier war, besuchen auch Anjalis Söhne Akash und Krishna diese Schule und ich freue mich besonders, dass der Lehrer sagt, dass sie mittlerweile schon ganz gut schreiben können. Amit und sein Bruder Somit stecken ihre ganze Zeit und ihr ganzes Geld in diese Schule und sind wirklich mit Leib und Seele dabei. Sobald genug Geld gesammelt ist, soll die Schule umziehen, damit außerhalb der Stadt genug Platz für mehr Kinder ist. Auch sollen die Kinder unter der Woche dann dort schlafen.

 

Puh, viel Info auf einmal, aber es ist auch viel passiert. Leider soviel, dass ich kaum Zeit zum Schreiben hatte. Deswegen die jüngsten Entwicklungen etwas komprimierter. Heute Abend geht es mit dem Nachtzug nach Kalkutta, ein neues Projekt anschauen. Ich bin gespannt! Und endlich darf ich bei Holi mitmachen, dem indischen Festival der Farben. Mir wurde schon gesagt, ich solle bitte nicht das Haus verlassen während dieser Zeit, da man mit allem möglichen beworfen wird, hauptsächlich eben mit Farbe. Das spornt mich aber natürlich noch mehr an, das Haus zu verlassen. Vor allem, weil ich bei meinem Freund Debasis und seiner Familie in Kalkutta sein darf und dann hoffentlich ein echtes indisches Holi erlebe.