IndiaFling Reiseblog 2011, Teil 6 – Kalkutta und die ganze Story hinter der Tasche
Von IndiaFling am 21. Apr. 2011
Wie genau wird eigentlich die neue Taschenkollektion? Geschichten von Lumpensammlern, recyleten Saris, dem passenden GOTS-Stoff und der Jagd nach nickelfreiem Zubehör.
Kalkutta ist schon etwas anders als die anderen Städte die ich bisher in Indien kennen lernen durfte. Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel, zum Beispiel, ist ziemlich gut. Eigentlich kann man alles ganz gut mit Metro und Straßenbahn erreichen, so dass ich kaum noch Rikscha fahre. Das lustigste ist: die Straßenbahn heißt hier wie in München ‚Tram‘. Ein Freund meinte, dass das daran liegt, weil sie ein deutsches Exportprodukt nach Indien war. Weiß da jemand mehr?

Foto: Tram in Kalkutta
Außerdem laufen in Kalkutta gar keine Kühe auf der Straße rum. Auf jeden Fall habe ich bis jetzt keine gesehen. Bis jetzt habe ich auch keine Affen, Kamele, Bullen, Schweine oder Elefanten in der Stadt gesehen. Nur eine Ziege kam mir gestern in einer Seitenstraße entgegen.
Aber was macht denn eigentlich die Taschenkollektion?? Ja, die läuft gut! Die vier Modelle, welche ich schon in Deutschland entworfen habe, sehen toll aus und selbst Ashim, der Produzent, ist ganz begeistert von der Idee, den Oberstoff mit schwarzem Tee zu färben. Was mich natürlich ein wenig ehrt! Und natürlich: Danke Peter, du Genie!
Dann fasse ich jetzt mal die Entstehung unserer Taschen in Kurzform für euch zusammen:
Frauen, die sonst kein ordentliches Einkommen haben, gehen von Tür zu Tür und sammeln alte, gebrauchte, in unserem Fall ungefärbte, Saris ein. Diese sind in diesem Stadium Lupen. Nun werden diese Saris in der Fabrik von FairDeal in Streifen gerissen und ein neues hochwertiges und robustes Gewebe wird gefertigt. Also ein erstklassiges Endprodukt aus einem recycelten Rohstoff. Das ist nicht selbstverständlich. Selbst in Europa, wo die Recyclingtechnik relativ weit ausgebaut ist, werden Textilien in der Regel nur zu zweit- oder drittklassigen Produkten wiederverarbeitet. Zum Beispiel zu Reinigungslappen oder Dämmware.
Nachdem das Gewebe hergestellt ist, wird es nun ein paar Stunden in schwarzem Tee gekocht. Zum großen Erstaunen ist die bräunliche Färbung nach dem Spülen auch noch richtig farb- und reibecht. Dieses Material dient also als Oberstoff.
Als Futterstoff werden wir nun GOTS-zertifizierte, natürlich gebleichte Baumwolle verwenden und diese bedrucken lassen. Unsere kleine Druckerei zahlt absolut faire Löhne und verfügt über eine effektive Abwasserreinigungsanlage, wie ich ja schon berichtet hatte. Und da einige von euch Bedenken geäußert haben: Wir werden kein „Discharge-Printing“ nutzen, da auch wir im Unklaren über die eingesetzten Chemikalien sind!
Meine Aufgabe für die letzten Tage ist es nun auch, alle Schnallen und ähnliches in nickelfreier Qualität zu beschaffen, so dass dann endlich aus all diesen Einzelheiten die „Super-Tasche“ entstehen kann! Natürlich unter fairen Bedingungen bei FairDeal zusammengenäht!

Foto:Ashim bei derArbeit
Fair Deal ist eine NGO die verschiedene Handwerksrichtungen unter Ihrem Dach organisiert hat. Man kann von FairDeal zum Beispiel auch Holzspielzeuge für Kinder, Seiden- und Wollschals oder handgemachtes Papier kaufen. Ziel der Organisation ist es, dass die Handwerker einen fairen Lohn gezahlt bekommen und ihnen Arbeitsplatzsicherheit zu gewährleisten. Die Gewinne der Organisation werden dafür verwendet, die Fähigkeiten der Handwerker durch Workshops auszubauen, sowie soziale Projekte in den Bereichen Schulbildung von benachteiligten Kindern, Gesundheitswesen, Frauenhilfe und Umweltschutz zu unterstützen.
Jo, so sieht’s aus!
Morgen fliege ich dann wieder Richtung München und freue mich sehr! Indien war ein wirklich spannendes Abenteuer. Ich habe viel gelernt, gesehen, gerochen und auch gefühlt, was ich nie wieder vergessen werde – doch nun freue ich mich sehr auf die Geborgenheit meiner Familie und Freunde, ich freue mich auf Ostern, aufs Eier Sammeln und Schokolade Essen, so ganz normal eben! Ich freue mich auf meinen kleinen Hund, der nie einem indischen Straßenhund begegnet ist und auch irgendwie wie eine andere Spezies wirkt und ich freue mich auf meinen Freund, den ich so unbeschreiblich vermisse!








5 Kommentare
Kristin
Toll, Elena! Wünsche dir nen guten Flug heim und schöne Ostern zuhause. Grüß deinen kleinen nicht-indischen-Strassenhund von mir und gib ihm ein Extraleckerchen bitte! =)
April 22nd, 2011 um 01:23
eli
Elena, wir freuen uns auch auf dich!!!
bis gaaaaanz bald.
April 25th, 2011 um 22:21
Bernd
à propos Flug: ich lese hier auf korrekte klamotten in letzter Zeit öfters Beiträge, in denen ganz selbstverständlich Besuche unternommen werden, die mit Fernflügen verbunden sind. Irritiert das eigentlich nur mich (von wegen Ökobilanz)?
Mai 3rd, 2011 um 14:01
Markus
Wenn du mit Indien Geschäfte machen willst, MUSST du dich (leider) in den Flieger setzen…sonst bekommste am Schluss en Fahrrad anstatt ein T-Shirt geliefert :)
Mai 3rd, 2011 um 17:19
IndiaFling
Nebst des Fahrrads was einem potentiell geliefert werden könnte, bin ich der Meinung, dass der faire Handel nicht nur darauf basieren kann, dass einer Fair Trade draufgeschrieben hat. Ich will schon gerne ganz genau wissen, was da los ist und das finde ich nur raus, in dem ich hinfahre. Besagten Hersteller, den Elena besucht hat, habe ich vorher schon zwei Mal in Kalkutta besucht und vor drei Jahren kippte er seine Siffe noch in den Wald, färbte mit Azo etc. Letztes Jahr hatte er dann ne Färberei, aber auch ohne Klärung und die Leute im Ort behaupteten, es gäbe eine Kläranlage, also sind wir dahin gefahren, aber die Kläranlage war seit Jahren nicht benutzt worden usw. usf. Also wenn ich das nicht alles genau unter die Lupe genommen hätte, dann wäre das heute kein nachhaltiges Produkt geworden. Ich bitte also um Verständnis, dass da die eine oder andere Flugreise nötig ist.
Mai 3rd, 2011 um 17:25
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