Reiseblog Teil 3 / Von keinem Produzenten zu drei
Von IndiaFling am 03. Feb. 2010
Die Sache entwickelt sich langsam… man drehe den Spiess um, suche sich mehrere Hersteller gleichzeitig und hat so immerhin ein klitzekleines bisschen Verhandlungsspielraum.

Nachdem Hersteller A wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist, bin ich im Moment in der glücklichen Situation, mit drei verschiedenen Produzenten zu verhandeln. Alas, ich muss nicht bei allem, was sie sagen, zu Kreuze kriechen. Nur bei fast allem.
Hersteller A war so freundlich, mich am Wochenende zum Essen einzuladen und hat sich für sein Verschwinden entschuldigt. Nun war er ja im Krankenhaus und daher unpässlich. Da sonst keiner mit meinen Sachen vertraut war, sehe ich ja ein, dass da mal was schief laufen kann. Nur sind die Samples, die er hätte schicken sollen, komplett verschwunden. Kein Mensch weiß, wo sie sind. Angeblich gab es in letzter Zeit öfter Probleme mit dem Courier. Leider kann mir nicht mal jemand sagen, welcher Courier das war. Sehr kurios, die Geschichte. Meine Fedex Sendungen kommen immer an. Und das auch noch pünktlich.
Dafür hatte er ein paar „Counter-Samples“ dabei. Das sind Samples, die als Gegenstück in der Fabrik bleiben. Die waren, nun ja, alles andere als der Hit. Aber ausbaufähig. Montag war dann Fabrikbesichtigung angesagt und Diskutieren der Schnitte. Bis Freitag sollen jetzt neue Samples fertig sein und da ich persönlich in die Fabrik fahre, kann das mit dem Courier diesmal keine Ausrede sein. Eigentlich würde ich nach allem, was war, Abstand nehmen, von diesem Hersteller.
Aber der Preis ist wirklich gut. Und irgendwie mag ich die beiden Brüder. Mit denen kann man sich unterhalten und vor allem haben sie auch ein Interesse daran, mal privat zu sprechen oder was zu machen. Jetzt nicht übertrieben, aber wenigstens ein wenig. Und ich bin der Meinung, dass so eine persönliche Beziehung im Fall eines winzigen Start-Ups langfristig entscheidet über Geschäft oder nicht Geschäft.
Hersteller B, der zweite in Delhi, ist ultraprofessionell, pünktlich und liefert Samples von Topqualität (und das nach kryptischen Zeichnungen). Nur geredet wird da eher gar nicht. Lalit, der mich dort betreut, spricht genau so viel, wie es nötig ist, um die Eckdaten abzuhaken. Sein Englisch lässt auch nicht viel mehr zu. Dafür rülpst er ausgedehnt und gerne beim Essen. Zwar habe ich das Gefühl, dass sich unter der rauen Schale ein echt netter Mensch verbirgt, aber ich bin mir sicher, dass ich den nicht kennen lernen werde.
Sein Chef ist zudem nicht an mir heute interessiert, sondern an mir in zwei Jahren (O-Ton). Sprich: Er ist bereit, heute an mich zu liefern, aber nur, weil er erwartet, dass ich in zwei Jahren H&M übernehme und er dann richtig Geschäft machen kann. Mit diesem Druck kann ich schlecht leben. Den Teil habe ich ihm bis jetzt noch nicht beigebogen, sondern nur nett dazu genickt. Und ich fürchte fast, wenn ich ihm sage, dass ich einen Hersteller suche, der auch ein Label bedient, das vielleicht nie (in seinen Augen) sinnvolle Mengen in Auftrag geben wird, wird er mir sagen, dass er darauf keine Lust drauf hat. Abwarten.
Heute steht dann schließlich noch Hersteller C auf dem Programm, der laut eigener Aussage keine Probleme mit kleinen Mengen hat. Aber leider auch sehr teuer ist. Festzuhalten bleibt aber: Alle kaufen ihre Stoffe von extern ein. Das heißt, das 500 Kilo/1000 Meter Problem haben alle.
Übrigens: Das fensterlose Zimmer habe ich verlassen, nachdem mitten in der Nacht jemand an meine Tür klopfte und Kishan rief. Als ich mich als jemand anderes outete, fragte er immer wieder, wer ich denn dann sei. Habe dann durch die geschlossene Tür gebrüllt, dass ihn das nicht zu interessieren habe. Zwei Stunden später rief wieder ein Mann nach Kishan und es hörte sich fast an, als würde jemand die Tür gegenüber eintreten und Kishan aus dem Zimmer einkassieren.
Tauschte also das Zimmer ohne Fenster gegen eines mit Fenster und glaube, ich habe ein Hotel gefunden, in dem man es aushält. War trotzdem toll, gestern nach Agra zu fahren und raus aus Delhi zu kommen. Von dem Smog wird einem echt schlecht auf Dauer. Also mir zumindest. Aber Atmen kann ich jetzt auch nicht besser. Weil das einzige Zimmer, das in dem Hotel frei war, das ich reserviert hatte, komplett verschimmelt war. Und mit komplett meine ich komplett. So man-riecht-es-deutlich verschimmelt. Und es gab erst heute ein anderes. Also liebe Lunge, wir machen einen Deal. Ich rauche dafür heute eine Zigarette weniger.







2 Kommentare
Björn Hens
Nett geschrieben. Danke für die spannenden Einblicke. :)
Februar 4th, 2010 um 21:37
Leon
yo. weitermachen!
Ich bin gespannt wie es weiter geht :)
Februar 7th, 2010 um 18:03
Dein Kommentar