Stellungnahme zur Kritik an Kuyichi und Nudie im Jeans-Test europäischer Verbraucherorganisationen
Von Korrekte Klamotten am 22. Sep. 2011
Eine Pressemitteilung der Kuyichi- und Nudie-Händler im korrekte klamotten Netzwerk!
Im heute von der Stiftung Warentest veröffentlichten Jeans-Test schneidet der Ethical Fashion Pionier Kuyichi sehr schlecht ab. Auch Nudie Jeans kommt nicht richtig gut weg.
Bei Kuyichi beziehen sich die Vorwürfe weniger auf reale sozial-ökologische Probleme in der Produktion, sondern vorrangig auf einen Mangel an Transparenz und insbesondere das Ausbleiben von Antworten auf mehrfache Anfragen.
Schon einige Wochen zuvor wurde der Test in der österreichischen Konsument veröffentlicht. Die Kuyichi-Händler aus dem Netzwerk für moderne öko-faire Kleidung „korrekte klamotten“ stehen seit dieser ersten Veröffentlichung in intensivem Dialog mit Kuyichi.
Bereits 2010 wurden erste gemeinsame Anfragen an Kuyichi gestellt. Auslöser war zu diesem Zeitpunkt ein in der sogenannten Scorecard für Kuyichi (erstellt von der NGO made-by) ersichtlicher Rückgang des Anteils sozial zertifizierter Zulieferer, sowie Unklarheit darüber, welche Bemühungen das Unternehmen über die Zertifizierungen hinaus vornimmt, um menschenwürdige Produktionsbedingungen sicherzustellen.
Leon Fellows (fairtragen, Bremen): „Hätten für den Jeans-Test die Informationen vorgelegen, die wir bereits auf unsere Anfrage in 2010 erhalten haben, dann hätte das sicherlich zu einem sehr viel besseren Abschneiden Kuyichis beigetragen.“
Im Test wird nicht zuletzt mangelnde Information über die Weiterverarbeitung der Jeans beanstandet. Laut Kuyichi sind jedoch nahezu alle Jeans nach dem anspruchsvollen Öko-Standard GOTS-zertifiziert und auf Sandstrahlung wird verzichtet.
Für die soziale Zertifizierung hat sich Kuyichi halbjährliche Etappenziele gesetzt. Bis zur Sommerkollektion 2012 sollen 70 Prozent, bis zur Winterkollektion mindestens 90 Prozent der Artikel entweder in SA8000 zertifizierten Fabriken oder in europäischen „Low-Risk Countries“ hergestellt sein. Das entspricht „Class A“ im Social Benchmark von made-by. Derzeit sind laut Kuyichi 52 Prozent der Artikel nach „Class A“ produziert.
„Die gesteckten Ziele werden von uns als positives Zeichen eingeschätzt.“, zeigt sich Lars Wittenbrink (gruene wiese) optimistisch. „Wir werden jedoch sehr genau verfolgen, ob Kuyichi diese Ziele auch wirklich erreicht.
Mit Absichtserklärungen allein wollen sich die kk Händler jedoch nicht zufrieden geben. Ihrer Meinung nach sollte Kuyichi über Zertifizierungen hinaus konsequent und transparent an einer Verbesserung der Produktionsbedingungen bei ihren Zulieferern arbeiten. Matthias Rau (zündstoff, Freiburg): „Kuyichi könnte beispielsweise einen Beitritt in eine Multistakeholder-Initiative wie die Fair Wear Foundation (FWF) anstreben, um seiner Rolle als Vorreiter umfassend gerecht zu werden.“
Schon einige Jahre Mitglied in der FWF ist der ebenfalls im Test vertretende schwedische Jeans-Hersteller nudie. Umso irritierender finden wir, dass die Stiftung Warentest kommentiert: „Ruhen sich auf Zertifikaten wie GOTS aus“. Eine Mitgliedschaft in der FWF ist das, was die Kampagne für saubere Kleidung (CCC) und andere NGOs als den glaubwürdigsten Schritt zur einer fairen Produktion ansehen. Und GOTS gilt als höchster internationaler Öko-Standard.
Überhaupt fragen sich die kk Händler, wie Hersteller, deren Jeans fast ausschließlich aus konventioneller Baumwolle hergestellt werden, so gut abschneiden können. Beim konventionellen Baumwoll-Anbau leidet nicht nur der Boden. Laut WHO sterben jährlich bis zu 10.000 Menschen an den Folgen von massivem Pestizideinsatz.
Lars Wittenbrink: „Wir alle schätzen die Arbeit der Stiftung Warentest sehr. Bei diesem Test beschleicht uns allerdings das Gefühl, dass es bei Konzeption und Auswertung Lücken in der Expertise gab.“
Fehler können passieren. Dieser ist jedoch ein ungerechtfertigt herber Schlag für zwei Pioniere moderner, nachhaltiger Kleidung. Kuyichi und Nudie sind zweifelsfrei noch verbesserungsfähig, aber ihrer konventionellen Konkurrenz sind sie ethisch weit voraus.
Leon Fellows (fairtragen, Bremen)
Sascha Klemz und Matthias Rau (zündstoff, Freiburg)
Simone Pleus und Lars Wittenbrink (gruene wiese, Münster)
Bernd Claude Hausmann (glore, Nürnberg)
Wiebke Hövelmeyer (glore, Hamburg)
Martin Höfeler (armed angels)
bei Rückfragen: lars [ät] gruenewiese-shop.de
Ergänzung
Inzwischen gibt es auch eine Pressemitteilung von Kuyichi:
http://kuyichi.com/company/press-releases/stiftung-warentest-kuyichi/de.php
In dieser Pressemitteilung weicht die Aussage zum derzeitigen Zertifizierungsstand von der gegenüber uns gemachten Angabe von Anfang 2011 ab. Wie es zu dieser Abweichung kommt, werden wir klären.
Auf dem Beyond Fashion Summit im Oktober in Berlin wird Lars (gruene wiese, Münster) stellvertretend für die korrekte klamotten Händler nocheinmal öffentlich mit Nur Basaran von Kuyichi über den Jeans-Test und vor allem Kuyichis zukünftigen Kurs diskutieren.
Spätestens nach diesem Panel wird es auch nochmal eine Stellungnahme der korrekte klamotten Händler zu Kuyichi geben.








11 Kommentare
Grüne Mode – Kirsten Brodde – Blog » Blog Archiv » Zu simpel gestrickt
[...] Die Händler, die im Korrekte-Klamotten-Netzwerk zusammen geschlossen sind, haben Kuyichi sehr hartnäckig erst Informationen und auch Verbesserungen abgerungen. Darüber – und wie genau der Fahrplan ist – wird Kuyichi in Berlin auf dem Fashion [...]
September 23rd, 2011 um 08:56
Samson
Danke, das ihr uns über sowas auf dem laufenden haltet. Ich war mir bei Kuyichi selbst oft unsicher wie ich sie einordnen muss und finde es sehr ermutigend zu wissen das die läden in denen ich gerne einkaufe selbst so genau mit gucken und auf dem laufenden sind.
September 23rd, 2011 um 16:03
Dave
Vor allem: Wo ist denn jetzt die Verbrauchertäuschung?
1. Es wurde ja nur bemängelt, dass das nicht alles so funktioniert wie besprochen. Es wurde nicht und in keinster Weise Grund zu einer ernsten Vermutung (oder gar Beweise) gegeben, dass die, von den Herstellern gemachten angaben nicht korrekt sind.
2. Ist es nicht viel verbrauchertäuschend, Menschen das Bild zu vermitteln, mit Klamotten der Marke xy würden sie cooler, hipper oder trendiger werden und dann mal locker 130€ für eine Jeans zu verlangen, die von Niedrigstlohn-Arbeitern genäht wurden?
September 23rd, 2011 um 19:34
samuel
Ich schließe mich Dave an und finde, dass die wirkliche Verbrauchertäuschung darin besteht, Menschen ein falsches Bild zu vermitteln. Mit schlecht recherchierten Tests ist niemandem geholfen wahrscheinlich stärken diese sogar die wirklich miesen Ketten H&M und Co. Wer Öko Fashion sowieso schon kritisch sieht fühlt sich darin doch nur bestärkt und beruft sich dann auf solche Tests.
Ich persönlich gebe gerne auch mehr Geld für Öko Fashion aus und kaufe dann insgesamt eben weniger Klamotten. Meiner Meinung nach muss die Aufklärung, was Öko Mode betrifft deutlich besser werden. Zertifikate sind schön und gut aber wer behält da schon den Überblick?! Ich will mich als Verbraucher nicht ständig stundenlang damit auseinandersetzen um zu prüfen ob das Zertifikat wirklich “öko” ist. Diese Aufklärung ist auch Aufgabe der Öko Labels.
Der Test der Stiftung Warentest ist inakzeptabel weil er zu einer kritischen Aufklärung überhaupt nichts beiträgt, was sehr schade ist.
September 23rd, 2011 um 20:23
Ärgerlich: Stiftung Warentest testet Jeans und sendet ein völlig falsches Signal aus. « Berlin is(s)t Bio
[...] wertvolle Informationen zum Thema Ökomode findet ihr bei den Fachleuten Kirsten Brodde und den Korrekten Klamotten. Sag's weiter:FacebookTwitterMehrDiggRedditE-MailStumbleUponGefällt mir:LikeSei der Erste, dem [...]
September 26th, 2011 um 09:47
Lisa
Eigentlich haben die betroffenen Labels durch den Test jetzt sehr viel Presse und Aufmerksamkeit. Jetzt können sie ausführlich erklären, in welchen Teilen der Produktionskette sie wie handeln. Ich als Verbraucher finde das viel aufschlussreicher als der relativ knappe Text von Stiftung Warentest.
Fazit: So, wie das gelaufen ist, war es der Sache absolut dienlich!
Gruß von Lisa.
September 28th, 2011 um 12:37
Lars
hier noch eine Stellungnahme von femnet, einer Mitglieds-Organisation der Kampagne für saubere Kleidung:
http://sauberekleidung.de/downloads/2011/2011-09-27_PM-Stiftung-Warentest.pdf
September 28th, 2011 um 22:03
Markus
@Lisa:
Ich befürchte nur, dass sich 99,99% aller Stiftung Warentest Leser nicht die Mühe machen zu checken was die Labels jetzt schreiben ;)
lg
markus
Oktober 4th, 2011 um 11:24
Lars
@Markus und Lisa: und ich fürchte, auf den Großteil der Journalist_innen trifft das auch zu. Und wenn ein, zwei Zeitungen meines Vertrauens etwas schreiben, dann neige ich selbst zumindest dazu, das erstmal zu glauben…
Bislang wurde der Test ja nur wenig medial aufgegriffen, aber wenn dann einfach 1:1 wiedergegeben.
Oktober 4th, 2011 um 12:59
Po “Beyond Fashion Summit” : Clean Clothes Polska
[...] Jak widać, wiele zabiegów wymaga tworzenie od podstaw przedsiębiorstwa odpowiedzialnego, o czym przekonali się twórcy firmy Kuyichi, których problemy wewnętrzne firmy wpłynęły na poziom dostępności do informacji o łańcuchu dostaw. Tutaj więcej… [...]
November 1st, 2011 um 23:43
Adrian
Also ich verstehe die Kritik an dem Test nicht wirklich.
Die Tester haben Fragebögen zu den Herstellern geschickt und wollten die Fabriken besichtigen, wenn Kuyichi darauf nicht antwortet ist es doch logisch das das Testergebnis entsprechend schlecht ist.
Ausserdem frage ich mich warum ein Öko-Klammotten Hersteller bei einem CSR-Test die Auskunft verweigert, sogar KiK hat die Fabriktore geöffnet, für mich nicht nachvollziehbar und absolut enttäuschend.
November 2nd, 2011 um 17:54
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