Hessnatur droht Übernahme
Von zündstoff am 16. Dez. 2010
Der amerikanische Finanzinvestor Carlyle ist angeblich daran interessiert den Öko-Mode Versandhändler Hess-Natur zu übernehmen. Nachdem – laut , berichtet die FAZ – von der einstigen Arcandor-Tochtergesellschaft Primondo Specialty Group (PSG) insgesamt sechs Spezialversandhändler bereits erworben wurden, bestehe außerdem interesse an Hessnatur.
Geschäftsführung und Betriebsrat die Zukunft des Unternehmens bei einer Übernahme in Gefahr und wehrt sich gegen den Verkauf. Vor allem, da Carlyle u.a. in der Rüstungsbranche aktiv ist, bestehen Befürchtungen, dass Hess-Natur nach einer Veräußerung von Kund_innen boykottiert wird. „Hess-Natur, groß geworden mit der Friedens- und Umweltbewegung in Deutschland, kann nicht von einem Finanzinvestor übernommen werden, der gleichzeitig in der Rüstungsindustrie aktiv ist.“, so der Hess-Natur-Geschäftsführer Wolf Lüdge. Betriebsratschef Walter Strasheim-Weitz befürchtet, dass das Unternehmen „womöglich schon nach kurzer Zeit 30 % weniger Mitarbeiter“ haben könnte.
Gleichzeitig unterstützt Attac Hess-Natur gegen die Übernahme. Unter dem Motto “Kein Ökomäntelchen für Bombenbauer!” will Attac am Freitag 17.12.2010 vor dem Firmensitz in Butzbach demonstrieren. Zudem wurde eine Unterschriftenkampagne gegen die Übernahme ins Leben gerufen. Im Februar 2011 sollen die Unterschriften Carlyle übergeben werden.








8 Kommentare
Bernd
Fairer Handel und Aktienhandel schließen sich aus. Bekanntlich gehört(e) hessnatur zu primondo und damit zur arcandor Aktiengesellschaft. Nun sind sie auf dem Markt und können auch an ein Unternehmen verkauft werden, das Waffen handelt.
Dezember 16th, 2010 um 14:42
Ingmar (Bekleidungssyndikat)
Der Geschäftsführer der Primondo Speciality Group dementiert derweil auf Nachfrage, dass an Carlyle verkauft werden soll:
http://www.kirstenbrodde.de/?p=956
Leider hat Kirsten ihm sofort geglaubt…
Dezember 16th, 2010 um 16:17
Björn Hens
Schließe mich Bernd an! Also ich kaufe nicht bei Hess, seit sie zu Arcandor gehören. Also ist mir der nächste Schritt auch vollends egal. ;)
Dezember 17th, 2010 um 09:57
Sascha
Ich habe auch noch nie bei Hess gekauft…
Ich sehe aber schon einen qualitativen Unterschied darin, ob ein Bio-Klammotten-Pionier mit zudem sehr hohen Sozialstandards jemandem gehört, der sich an Rüstungsgeschäften beteiligt oder nicht.
Natürlich macht eine prinzipielle (Kapitalismus-)Kritik Sinn. Aber z.B. eine GmbH gehört ja auch unterschiedlichen Gesellschaftern, die ihre Anteile veräußern können.
Letztlich würde eure Schlussfolgerung ja heißen, dass Kapitalgesellschaften generell zu boykottieren sind.
Und würde das dann im Umkehrschluss heißen, dass egal ist, ob ich mein (nich vorhandenes) Geld in Solarkraft investiere oder in einen Fonds bei der Allianz? Denn wenn Investeor = Investor würde das für mich ebenfalls heißen Beteiligung = Beteiligung, weil Gesellschaftermodelle eh schlecht sind?
Dezember 17th, 2010 um 10:19
Björn Hens
Natürlich sehe ich noch einen qualitativen Unterschied zu ner “normalen” AG und einer, die auch in Rüstung drin steckt. Und ich werde auch nicht alle AG´s (oder GmbH´s) boykottieren. Gutes Beispiel ist die Rapunzel AG. ;) Für mich hängt das auch mit Größe und sonstigem Geschäft zusammen. Was Größe betrifft, verteile ich mein Geld lieber an Kleinere, da unser Steuersystem die Verteilung nicht mehr hinbekommt. Was das sonstige Geschäft der AG/GmbH (what ever) angeht, schau ich drauf, wer da genau dahinter steckt. Wie gesagt, Beispiel Rapunzel AG. Arcandor empfinde ich nicht so schlimm, wie eine andere Gesellschaft, die sich an Rüstung beteiligt, aber eben auch nicht so gut, wie eine Gesellschaft, die nur mit “guten Produkte” handelt. Und da es genug Alternativen gibt, kaufe ich nicht bei Arcandor.
Dezember 17th, 2010 um 10:49
Björn Hens
PS: Sascha, wenn ihr also nicht zu groß werdet oder auch mit anderen Produkten anfangt zu handeln, steht ihr weiterhin auf meiner “grünen Liste”. Egal welche Gesellschaftsform ihr habt. ;)
Dezember 17th, 2010 um 10:51
Bernd
@Sascha: Ich bin kein (Volks-)Wirtschaftler, aber nach meinem Eindruck sind bei einer Aktiengesellschaft Investor und Unternehmen/Produkte/Mitarbeitende derart entkoppelt, dass sehr oft die reine Profitorientierung letztlich dominiert. Weil sie Fonds gezeichnet haben, wissen viele noch nicht mal, in welchem Unternehmen ihr Geld gerade “arbeitet”. Gibt es jedoch eine klare inhaltliche Entscheidung und Identifikation mit der Investition wie zum Beispiel bei einer Genossenschaft, dann ist das eine wie ich finde sinn-volle Möglichkeit, dass Geld und gute Idee zueinander finden.
Dezember 17th, 2010 um 11:00
borussia
Gibt es da keinen “Guten” dabei, der kaufen will? Wissst ihr , wer da noch bei den Interessenten dabei ist?
Dezember 17th, 2010 um 14:38
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